v_0_64 1.2.2010
My Speyer pages have to be redesigned in summer 2010!
Sorry about, musical photography is more important yet!
Civitas Nemetum
Jakobspilger? Ok, gehört hatte ich von denen schon und wusste auch, dass das Ziel dieser Pilger Santiago de Compostela in Nordwestspanien ist. Und da wir seit kurzem ja in Speyer wohnen konnten wir die Statue eines Jakobspilger auf der Hauptstrassse in Nähe des Kaiserdoms auch nicht übersehen. Das war's dann auch, eine mittelalterliche Sache, vor einigen Jahrzehnten für religiöse Fanatiker widerbelebt. So dachte ich jedenfalls noch heute morgen...

Dann begegnete mir in Nähe des Doms ein Wanderer. Sonnengebräunt, gute Wanderkleidung und vor allem auch gute Schuhe, ich dachte bei mir, so wie der ausschaut wird der wohl über Ostern noch so einige Kilometerchen ablaufen.Oh ja, ich hatte recht mit meiner Einschätzung, allerdings hatte ich diesen Herrn dennoch gewaltig unterschätzt!
Das ist ein echter Jakobspilger in Speyer, zu Fuss unterwegs von Leverkusen nach Santiago de Compostela. Und dazu hat er auch noch den harten Weg gewählt, denn er möchte den Weg schaffen, so wie es die Alten gemacht hatten, nur auf die Mildtätigkeit anderer hoffend, Unterkunft im Stroh oder wo es sich sonst ergibt.

Zugegeben, die mittelalterlichen Pilger hatten kein Garmin moving map Wander GPS dabei und die nette scheckkartenflache Digicam wäre denen wohl auch eher wie Teufelswerk vorgekommen...
Speyer sei der erste Ort, wo es ihm nicht gelungen war, eine Unterkunft für die Nacht zu bekommen. Bei der bischöflichen Verwaltung abgeblitzt, die Franziskanermönche wollten Geld für die Übernachtung und ansonsten wollte ihm auch keiner Unterkunft geben. Ich hab ihm unser Wohnzimmersofa im noch teilweise mit Umzugskartons möblierten Wohnzimmer angeboten, aber er hatte abgelehnt, das Wetter wäre zu schön, da könne er noch 10 oder 20 Kilometer machen. Auch mein Mittagessenangebot hat nicht so recht gezogen.

Wir leben in einer materiellen Welt, in der Geld das überleben bestimmt. Eigentlich sollte man gerade deshalb annehmen, dass sich die katholische Kirche speziell um die kümmert, die einen so eindrucksvollen Weg gehen.
Als ich bei Jesus Christ Superstar meinen Statistenauftritt als römischer Legionär / Folterknecht hatte, da habe ich mich recht ausführlich mit dem Geschehen der letztenTage im Leben des Jesus Christus beschäftigt. Und jetzt, ausgerechnet am Gründonnerstag wird ein Pilger von der Kirche abgewiesen, soll er doch sehen wo er bleibt... Dazu fällt mir in diesem Zusammenhang eine Textstelle ein (Simon Zealotes/Poor Jerusalem), mit ganz speziellen Grüssen an die Hohen Herren der Kirche:
'You’d see the truth, but you’d live a lie'

PS. Jetzt weiss ich auch, warum der bronzene Pilger der Kirche den Rücken zukehrt...